Anderen Menschen Zeit schenken

Monika Krächan koordiniert das Projekt 'Paten mit Herz' und freut sich, dass das Projekt von der lokalen CDU mit der Wendelinusplakette ausgezeichnet worden ist.

26.02.2018

Das Projekt Paten mit Herz will die Lebensqualität älterer Menschen verbessern helfen

St. Wendel. Hannelore Welter und Maria Klos wirken auf den ersten Blick wie zwei gute alte Bekannte. Sie sitzen im Esszimmer des Hauses von Maria Klos am Tisch und reden, scherzen und lachen miteinander. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass sich die beiden kennengelernt haben. Und sie erzählen gerne davon, dass sie bei ihrer ersten Begegnung nur wenig miteinander anzufangen wussten. „Wir sind dann zusammen auf den Friedhof gegangen und haben das Grab der Familie Klos besucht“, erinnert sich Hannelore Welter. Heute treffen sich die beiden regelmäßig und verbringen den Mittwochnachmittag zusammen. Meist fahren sie ins benachbarte Ottweiler, gehen hier ein wenig spazieren und trinken anschließend noch Kaffee.

Zusammengekommen sind die beiden Frauen durch das Projekt Paten mit Herz. Hier haben sich das Marienkrankenhaus St. Wendel, der Landkreis und der Pflegestützpunkt sowie weitere Ansprechpartner vor Ort zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Das Projekt wurde im Herbst 2016 gestartet, mit dem Ziel, der Vereinsamung älterer Menschen entgegen zu wirken. Denn bereits im Vorgängerprojekt +P hat man festgestellt, dass sich der Gesundheitszustand älterer Menschen bessert, wenn sie Ansprache und Begleitung haben. Oder anders gesagt: Einsamkeit macht krank.

„Wir begleiten alleinstehende Senioren in ihrer Häuslichkeit und unterstützen ältere Menschen nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus, wenn die Angehörigen die nötige Hilfe nicht leisten können oder es schlicht keine Angehörigen gibt“, sagt Monika Krächan. Sie ist Koordinatorin des Projektes und wird dabei von Krankenhausoberin Hildegard Marx unterstützt. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesprogramm Land(auf)Schwung, an dem 13 Landkreise bundesweit teilnehmen. Einer davon ist St. Wendel.

Die Aufgaben, die die Paten übernehmen dürfen, sind klar definiert. Die Paten – sie sind meist selbst schon Rentner und in ihrer großen Mehrheit Frauen – begleiten die alten Menschen beim Einkaufen oder bei Arztbesuchen, gehen mit ihnen spazieren, unterstützen sie beim Umgang mit Behörden (füllen also beispielsweise Formulare für sie aus) oder verbringen die Freizeit mit ihnen – so wie es Hannelore Welter und Maria Klos tun.

Die Kinder leben und arbeiten oft weit weg, der Partner ist verstorben und die Nachbarschaftshilfe, die früher selbstverständlich war, gibt es auch immer weniger, beschreibt Monika Krächan die Situation, in der viele ältere Menschen zu vereinsamen drohen. „Hier versuchen wir zu helfen“. Paten mit Herz kann und will sich nicht der Menschen annehmen, die pflegebedürftig oder dement sind, also Unterstützung durch die Sozialkassen beziehen. Um diese Menschen kümmern sich die ambulanten Dienste.

Hannelore Welter hat jahrzehntelang im Krankenhaus in Ottweiler gearbeitet. Als sie in Rente ging, da stand für sie fest, dass sie auf alle Fälle ehrenamtlich noch etwas Sinnvolles machen wollte. Paten mit Herz war genau das Richtige für sie, denn sie wollte, wie sie es formuliert, „anderen Menschen ein wenig meiner Zeit schenken“. Die angehenden Paten werden auf ihre neue Aufgabe vorbereitet und geschult und treffen sich einmal im Monat auch mit Monika Krächan zum Erfahrungsaustausch. Das ist ganz wichtig, denn ab und an hakt es auch zwischen den Paten und den Senioren – und das, obwohl „wir im Vorfeld genau überlegen, welche beiden wohl zusammenpassen könnten“.

Bei Hannelore Welter und Maria Klos stimmte von Anfang an die Chemie, aber es ist durchaus schon vorgekommen, dass einer der älteren Menschen in seinem Paten eher eine billige Haushaltshilfe sah und ihn zum Bügeln oder Putzen missbrauchen wollte. Dem muss Monika Krächan dann klar und deutlich einen Riegel vorschieben.

Trotz ihrer 85 Jahre ist Maria Klos körperlich und geistig erstaunlich fit, lebt und versorgt sich noch selbst. Manchmal aber vergisst sie schon mal etwas (und das ärgert sie kolossal), weswegen auch morgens und abends der Pflegedienst kommt, damit die alte Dame unter Kontrolle ihre Medikamente einnimmt. Ihre Tochter mit Familie und ihre Geschwister leben in der Nähe, und trotzdem hatte ihre Tochter Gabi Zimmer das Gefühl, dass ihrer Mutter etwas zusätzliche Begleitung und Abwechslung guttun würde. Deshalb wandte sie sich an Monika Krächan und ist heute froh und dankbar, dass Hannelore Welter sich einmal in der Woche um ihre Mutter kümmert. 

Vom Bund gefördert wird das für die begleiteten älteren Menschen kostenlose Projekt Paten mit Herz bis Ende 2019. Monika Krächan hofft und wünscht sich natürlich, dass das Projekt über diesen Zeitpunkt hinaus fortgeführt wird. Unterstützung für ihren Wunsch wird sie von Hannelore Welter, Maria Klos und Gabi Zimmer garantiert bekommen…

Bildergalerie

(Text, Fotos: hf)

Marienkrankenhaus St. Wendel

Am Hirschberg 1a
66606 St. Wendel
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Telefax:06851 70136
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Zentrum für Altersmedizin, Akutgeriatrie

Am Hirschberg 1b
66606 St. Wendel
Telefon:06851 59 - 02
Telefax:06851 59 - 2050
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