Das Marienkrankenhaus hat im Frühjahr eine Weaning-Einheit mit sechs Betten eröffnet

Chefarzt Dr. Martin Bier (rechts außen) mit einem Teil des Teams der neuen Weaningeinheit. Foto: hf

01.08.2019

Weaning ist oftmals ein sehr langwieriger Prozess

St. Wendel. Die Resonanz sei enorm gewesen, erzählt Dr. Martin Bier. Dabei habe er nur eine einzige Mail an seine Kollegen in Rheinland-Pfalz und im Saarland geschrieben, um ihnen mitzuteilen, dass er im Marienkrankenhaus Anfang April eine Weaning-Einheit eröffnen werde. Es gibt also ganz offensichtlich eine Versorgungslücke für Patienten, die wochen- oder gar monatelang auf der Intensivstation gelegen haben und künstlich beatmet worden sind und jetzt vorsichtig und in kleinen Schritten vom Beatmungsgerät entwöhnt werden sollen (nichts anderes bedeutet der englische Fachbegriff Weaning). Das Marienkrankenhaus schickt sich nun an, diese Lücke zu schließen, so der Chefarzt der Anästhesie, operativen Intensivmedizin und Schmerztherapie. Die Weaning-Einheit mit ihren sechs Betten ist in die Intensivabteilung integriert.

Die moderne Medizin macht heute Eingriffe und Therapieverfahren möglich, die vor Jahren oder wenigen Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wären, die die Patienten gleichwohl enorm belasten und oftmals auch eine längere intensivmedizinische Behandlung erfordern, künstliche Beatmung über einen längeren Zeitraum inklusive. – Hier nun kommen die Weaning-Experten ins Spiel. Sie versuchen, die Betroffenen vom Beatmungsgerät zu entwöhnen und ihnen so ein Stück Normalität im Leben zurückzugeben. Wobei dies, so fügt Martin Bier sofort an, oftmals ein sehr langwieriger Prozess und das Therapieziel natürlich sehr individuell ist und damit sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Deshalb entwickeln Dr. Martin Bier und sein interdisziplinäres Team – „Weaning ist Teamarbeit“, betont er – eine individuelle Strategie zur Entwöhnung vom Beatmungsgerät. Voraus geht eine detaillierte Anamnese. Was hat der Patient vor seiner Erkrankung gekonnt? In welches soziale Umfeld kommt er zurück? Was können wir ihm und seiner Familie zumuten? Wenn diese Fragen beantwortet sind, erst dann kann die Behandlungsstrategie festgelegt werden. Denn mag es in dem einen Fall realistisch sein, dass der Patient nach Abschluss der Behandlung sein Leben weitgehend wieder alleine meistert, so ist es in einem anderen womöglich schon das Optimum, wenn er nach Hause zurückkehren kann und dort weiter beatmet wird. „Wir haben halt sehr heterogene Patienten“, bringt es Martin Bier auf den Punkt.

Hand in Hand mit der Entwöhnung vom Beatmungsgerät muss die Frührehabilitation gehen. Denn wer über Wochen oder Monate auf der Intensivstation liegt und künstlich beatmet wird, ist nicht nur ein schwerkranker Mensch, er muss auf dem Weg zurück ins Leben auch gezielt Hilfestellung bekommen, weil seine peripheren Nerven in dieser Zeit massiv Schaden genommen haben. Deshalb kümmern sich neben erfahrenen Intensivmedizinern, Intensivschwestern und -pflegern auch Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten um die Patienten. Auch Seelsorger und Psychologen „können wir bei Bedarf mit hinzuziehen“, freut sich Martin Bier. Das gilt natürlich auch für seine Kollegen der anderen Fachdisziplinen; denn oftmals hat nicht nur die Lunge des Patienten über diesen langen Zeitraum Schaden genommen, sondern sein ganzes Immunsystem.

Zweimal in der Woche trifft sich das Therapeutische Team zur Besprechung. Bei der morgendlichen Visite wird für jeden Patienten ein Tagesziel formuliert und bereits am Nachmittag kontrolliert, inwieweit dieses erreicht ist. So ist also der Tagesablauf von Therapie und Mobilisierung bestimmt.

Die sechs Weaning-Betten sind in die Intensivstation in St. Wendel integriert. Jeder Patient lebt in einem freundlich gestalteten Zimmer, das sogar über einen Fernseher verfügt. Schließlich muss bei aller moderner Technik Weaning auch ein Stück familiär sein, ist das Zimmer für den Patienten doch für Wochen oder Monate so etwas wie sein Zuhause. Deshalb sind seine Angehörigen und Freunde hier auch jederzeit willkommen und werden in die Therapie nach Möglichkeit mit integriert.

So sind es „viele Mosaiksteinchen, die zum Erfolg führen sollen“, sagt Dr. Martin Bier. Und für diesen Weg hat er, was ihn ein Stück weit stolz macht, Mitarbeiter, die für diese überaus anspruchsvolle Aufgabe „einen Funken Begeisterung mitbringen“. (hf)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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