Wenn der Küchentisch plötzlich zum Problem wird

Artikel von Melanie Mai, SZ, 02.10.2020

21.09.2020

St. Wendel Stress in Corona-Zeiten. Klar, in den Krankenhäusern war in den vergangenen Wochen und Monaten Ausnahmezustand. Aber in der Orthopädie? Warum es auch dort hektisch zuging, erzählt Jan Holger Holtschmit, der Chefarzt der Klinik für Konservative Orthopädie im Marienkrankenhaus St. Wendel. Das hat nämlich zweierlei Gründe.


Zum einen war die Konservative Orthopädie bisher in Losheim untergebracht. Da aber das dortige Krankenhaus zur Corona-Klinik umfunktioniert wurde, war für die Orthopädie kein Platz mehr: „Wir sind ja primär keine Spezialisten zur Corona-Behandlung“, sagt Holtschmit mit einem Augenzwinkern. Also stand ein Umzug bevor. Und das im Eilverfahren. Als „spannend“ bezeichnet der Chefarzt diese Zeit. Ende März wurde der Umzug beschlossen, in der ersten April-Woche „haben wir das halbe Krankenhaus in Kisten gepackt." Es mache ihn stolz, dass in St. Wendel dann innerhalb von drei Wochen schon wieder Patienten aufgenommen werden konnten.


Der zweite Grund, warum Corona auch die Orthopädie betrifft, zeichnet sich nun, gut ein halbes Jahr nach Beginn des Lockdowns, immer mehr ab. Home-Office habe so manchen Rücken in Mitleidenschaft gezogen. Daher warnt Holtschmit, das Arbeiten von zu Hause aus nicht als Allheilmittel zu sehen. „Jeder schwärmt von Home-Office als Zukunftsmodell für alle, die es machen können“, sagt Holtschmit. Doch für Menschen, die viel im Sitzen arbeiten – was ohnehin nicht optimal sei – könne das Home-Office zur Gefahr für die Gesundheit werden. Wenn die Bedingungen nicht stimmen, sei das Gift für den Rücken. Also empfiehlt der 54-Jährige, bei Home-Office auch für die passenden Bedingungen zu sorgen. „Firmen werden erkennen, dass ein guter Arbeitsplatz zum Rückgang der Rückenerkrankungen führt“, spricht Holtschmit ein Thema an, das nicht nur das Arbeiten zuhause betrifft, sondern auch in jedem Büro beachtet werden sollte. Denn noch immer liefere der Rücken den häufigsten Grund für Arbeitsunfähigkeit.


Wenn also Home-Office als Lösung angesehen wird, dann rät der Arzt, unbedingt auf die richtigen Möbel zu achten. „Am Küchen- oder Couchtisch zu arbeiten und das auf ungeeigneten Stühlen, das ist für die Wirbelsäule anstrengend.“ Das ginge mal in Ausnahmesituationen. Aber nicht dauerhaft. Der Schreibtisch sollte die passende Höhe haben, idealerweise höhenverstellbar sein, so dass er auch in einen Stehtisch umfunktioniert werden kann. Überhaupt hält er es für sinnvoll, zwischendrin auch mal zu stehen. Beispielsweise, um ein Telefonat zu führen. Auch der Stuhl sollte ergonomisch sein. Außerdem seien in den häuslichen Not-Büros – denn kaum jemand habe ein Arbeitszimmer – die Lichtverhältnisse nicht optimal. Oft fehle es auch an nötiger Ruhe. Holtschmit fasst zusammen: „Alles, was dazu beiträgt, dass es dem Körper gut geht, ist auch für den Rücken eine gute Sache.“


Nicht nur Home-Office trage aber zum Rückenleiden bei. Auch die fehlenden Möglichkeiten, sich so, wie gewohnt, zu bewegen. Schwimmbäder, Fitness-Studios und Praxen von Physiotherapeuten waren lange geschlossen. Das (Sport-)Vereinsleben ruhte. Gerade durch gezieltes, zum Teil angeleitetes Training hatte so mancher Patient seine Beschwerden im Griff, weiß der Arzt. Gerade die Menschen, die schon vor Corona mit Rückenproblemen zu kämpfen hatten, seien durch den Lockdown betroffen gewesen. „Gefühlt“, das betont der Mediziner, seien etwa ein Drittel der derzeitigen Patienten Home-Office-geschädigt. Zwar werden in der Konservativen Orthopädie in St. Wendel keine Kinder behandelt, aber Holtschmit geht davon aus, dass bei den Jungen und Mädchen die Situation nicht anders aussieht. Schließlich „heißt der Bewegungsapparat eben Bewegungsapparat“, so der Arzt. Und wenn der Mensch sich nicht bewege wie gewohnt, gebe es Probleme. Dabei wundere viele Patienten, wie schnell die Muskulatur sich zurückbilde, wo man sie doch jahrelang aufgebaut habe: „Für die Muskulatur ist ein halbes Jahr gigantisch.“

 

 

 

Marienkrankenhaus St. Wendel

Am Hirschberg 1a
66606 St. Wendel
Telefon:06851 59 - 01
Telefax:06851 70136
Internet:http://www.mkh-wnd.de

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