Die Palliativstation des Marienkrankenhauses feierte ihr zehnjähriges Bestehen

Mit Vorträgen und mit einem Festakt wurde das 10-jährige Jubiläum gefeiert. Besucher konnten sich auf der Station informieren.

15.06.2018

St. Wendel. Als am 16. April 2008 der erste Patient auf die Palliativstation des Marienkrankenhauses kam, lagen gut zweieinhalb Jahre an Planungen und Vorbereitungen hinter der Arbeitsgruppe, die sich 2005 auf den Weg gemacht hatte, das Trägerkonzept Palliative Care und würdevolle Sterbebegleitung in den Krankenhäusern der Marienhaus GmbH in St. Wendel umzusetzen. Anfangs verfügte die Station über vier Betten, heute sind es sieben.
Den runden Geburtstag feierte die Palliativstation im Marienkrankenhaus Anfang Mai 2018 mit Vorträgen am Vormittag und einer Feierstunde, Informationsständen und Führungen am Nachmittag. Eingeladen waren nicht nur Fachleute, sondern alle, die sich vor Ort ein Bild von der Arbeit auf einer Palliativstation machen wollten.
In den Tag startete man mit einem Vortrag von Dr. Christoph Lerchen, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Palliativmedizin des Herz-Jesu-Krankenhauses in Dernbach. Unter dem Titel „Lachen bis zuletzt“ ging er geistreich, unterhaltsam und doch tiefgründig dem Humor in der Palliativmedizin auf den Grund. Zunächst galt es zu klären, was eigentlich Humor ausmacht, wann und warum wir lachen. Schnell wurde klar: Humor braucht ein Gegenüber, sonst kann er nicht wirken. Humor tritt in Beziehung und äußert sich in einem bestimmten Verhalten. Deshalb darf er niemals verletzend oder gegen Dritte gerichtet sei. Andererseits gibt er uns die Chance, uns auf Tabuthemen einzulassen (Sterben) und hilft uns als „Trotzmacht“ gegen die Angst (vor dem Tod, vor dem Vergessen).
Die Frage, ob Menschen, die dem Tod nahe sind (wie eben Patienten auf einer Palliativstation) noch das Bedürfnis haben zu lachen, beantwortete Dr. Lerchen mit einem klaren „ja“. „Selbst im Angesicht des Todes sind Menschen noch humorfähig, denn Humor ist eine innere Haltung“, ließ er die Zuhörer wissen. Daher ist es auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf einer Palliativstation wichtig, ihre Patienten als Menschen mit Humor wahrzunehmen – und mit dem eigenen Humor für sich („Gelachte Bourn-Out-Prohylaxe“) und für die Patienten etwas Gutes zu bewirken. Dann kann es sogar gelingen, sich gewissermaßen über eine Situation zu stellen. Dabei wirkt Humor als innere Befreiung – sowohl für die Patienten als auch für die Mitarbeiter - denn er ändert die Art, wie wir mit schwierigen Situationen umgehen. Mit einem Blick auf die spirituelle Dimension des Humors beendetet Dr. Lerchen seinen Vortrag. „Wenn Humor von Hoffnung oder Glaube getragen ist, kann er großen Halt geben“.
Der zweite Beitrag beschäftigte sich mit der Frage: „Spiritualität am Lebensende -  Hilfe oder Hindernis?“ Referent Klaus Aurnhammer, Seelsorger auf der Palliativstation im Marienhaus Klinikum in Saarlouis lies in seinem faszinierenden Vortrag die Zuhörer an seiner Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema und seiner Suche nach Antworten teilhaben.
Jeder Mensch – so Klaus Aurnhammer – hat und lebt seine eigene Spiritualität. Wie die physische, die psychische und die soziale Dimension gehört sie als sogenannte 4. Dimension zur Ganzheitlichkeit eines jeden Menschen. Die Fragen, die in ihrem Zusammenhang auftauchen (Warum? Wohin?) sind meist Sinnfragen des Lebens und die Suche nach Antworten – vor allem auch in Krisenzeiten und Zeiten des Umbruchs. Damit zielt Spiritualität direkt in das Zentrum des Menschseins.
Was bedeutet das nun für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bezug auf ihre Patienten im Alltag auf der Palliativstation? - Die Fragen der Patienten richten sich immer an die Spiritualität ihrer Begleiter (Pflegenden, Ärzte). In diesem Spannungsfeld des eigenen „Ich“ und dem „du“ der Patienten brauchen Begleiter eine besondere Geisteshaltung, die sich aus mehreren „Geistern der Spiritualität“ zusammenfügt: So ermöglichen der „Geist der Präsenz“, der „Geist der Wahrnehmung“ und der „Geist des Daseins“, dass die Begleiter in der Lage sind, mit allen Sinnen wahrzunehmen, was ist, um dann mit den Geistern der „Zugewandtheit“, der „Offenheit“ und des „Mitgefühls“ ein Gespühr dafür zu entwickeln, wie es dem Patienten geht. Zwischen Begleiter und Patient soll Vertrauen entstehen. Nicht nur ein Vertrauen in die Fachkompetenz, sondern ein Vertrauen, das Wahrheiten (unheilbar, baldiges Sterben) zulässt und den Prozess der Verarbeitung dieser Wahrheiten unterstützt.
Und wie gelingt es dem Arzt, dem Pflegende sich selbst zu schützen, damit er nicht ständig über seine persönlichen Grenzen hinaus gefordert und vereinnahmt wird? Auch hierfür gibt es gute Geister der Spiritualität (z.B. hilft der Geist der Demut, bescheiden zu werden), die ihnen sagen, dass alles Tun auch Grenzen hat.
Ob Spiritualität am Lebensende nun Hilfe oder Hindernis ist, ist dennoch nicht eindeutig zu beantworten; „Jein“, sagt Klaus Aurnhammer. „Es kommt auf die Spiritualität des Begleiters an und darauf, dass er sorgsam und respektvoll mit seinem spirituellen Auftrag umgeht und diesen immer wieder neu entdeckt und pflegt.

Beim Festakt im zweiten Teil des Tages hob Krankenhausoberin, Hildegard Marx in ihrer Ansprache hervor, dass das Marienkrankenhaus den Palliativgedanken schon gelebt hat, lange bevor es die Palliativstation gab. Und Maria Heine, die Mitglied im Vorstand der Marienhaus Stiftung ist, versicherte, dass der Träger an seinem Engagement in der Hospiz- und Palliativarbeit festhalten werde, auch wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Gesundheitsbereich immer schwieriger würden.
Einen Einblick darüber, was eine Palliativstation so besonders macht, erläuterte anschließend die Leitende Ärztin der Station, Dr. Marianne Meier: Auf einer Palliativstation sind Menschen mit einer unheilbaren Krebserkrankung oder einer weit fortgeschrittenen chronischen Erkrankung. Sie werden hier professionell betreut und liebevoll begleitet. Ziel der palliativen Betreuung ist es, Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit, die die Kranken belasten, zu lindern und ihnen so ihre Situation zu erleichtern. Dazu gehört, den Patienten Ängste zu nehmen oder auch (letzte) Wünsche zu erfüllen (So hat es in den zehn Jahren auf der Palliativstation in St. Wendel zwei Hochzeiten gegeben).
Natürlich werden auch die Angehörigen und Freunde mit eingebunden und bekommen Halt und Zuspruch. – Für all diese Aufgaben steht ein multiprofessionelles Team aus Ärzten, Pflegenden, Seelsorgern, einer Psychoonkologin, Sozialarbeitern, Physiotherapeuten und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung. Sie kümmern sich in vorbildlicher Weise um diese schwerstkranken und sterbenden Menschen. Ziel der Arbeit einer Palliativstation ist es, den Zustand des Patienten so zu stabilisieren, dass er wieder nach Hause entlassen werden kann. Wenn sich sein Leben aber auf der Palliativstation vollendet, dann sorgt das Team auch für eine würdevolle Sterbebegleitung und ein gelingendes Abschiednehmen.
Den verbleibenden Nachmittag über konnten Gäste und Besucher die Palliativstation besichtigen und sich selbst einen Eindruck über die pflegerischen und therapeutischen Angebote verschaffen. (aoe)

 

 

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